Allgemeines

Bewusst katholisch und liberal zu sein, führte tausende Menschen in die altkatholischen Kirchen.

„Alt" heißt nicht konservativ, es meint die Kirche des ersten Jahrtausends vor der Kirchenspaltung in Ost- und Westkirche (1054).

Jahrhunderte hindurch hatten viele Bistümer eigenständige Rechte gegenüber Rom, etwa bei der Wahl ihrer Bischöfe. Sahen die Päpste aber ihre Stellung durch politische oder kirchenrechtliche Interessen gefährdet, pochten die Oberhirten Roms auf ihre Vorrangstellung.

Im 18. Jahrhundert wurde anlässlich der Wahl des Erzbischofs von Utrecht dieses Erzbistum aus der Gemeinschaft mit Rom unter der Anschuldigung des Jansenismus ausgeschlossen und bestand als eigenständige Erzdiözese weiter. Gerard van Swieten, der Leibarzt Maria Theresias, gehörte dem Utrechter Erzbistum des altbischöflichen Klerus an.

Im Jahre 1869/70 berief Papst Pius IX. die Bischöfe zum Ersten vatikanischen Konzil ein, um seine Stellung, politisch gefährdet als Oberhaupt des Kirchenstaates? religiös -kirchlicher Ebene zu festigen. Das Allprimat („Universalbischof" für die gesamte Kirche) und die Unfehlbarkeit des Papstes in Lehrfragen sollten zum Dogma (verpflichtende Glaubenslehre) erhoben werden.

Demgegenüber wollten Theologen und Kirchenhistoriker, wie der Münchner Probst Ignaz von Döllinger (1799-1890), die kirchenhistorisch und exegetisch die Unhaltbarkeit dieser päpstlichen Lehrmeinung nachgewiesen hatten, die „Alten" bleiben.

Döllinger erhielt auch Unterstützungserklärungen aus Österreich-Ungarn ? „Döllinger- Adressen"). Jene, die sich den neuen Dogmen nicht unterwarfen, wurden exkommuniziert und fanden sich zu eigenen Notgemeinschatten zusammen. 

Der erste Altkatholikenkongress (1871) beschloss die Gründung eigener Gemeinden. Daraus erwuchsen die alt-katholischen Pfarren in Wien (wo die liberalen Kirchenreformen Josefs II. noch nicht vergessen waren), Ried im Innkreis und Warnsdorf in Nordböhmen.

1877 erhielt die Altkatholische Kirche Österreichs die staatliche Anerkennung, nachdem sie auf jeglichen Kirchenbesitz verzichtet hatte. Bereits 1871

hatte der liberale Wiener Gemeinderat die St. Salvator Kapelle des alten Rathauses in der Wipplingerstraße den Altkatholiken zur gottesdienstlichen Nutzung überlassen. Obwohl staatlich anerkannt, wurde die Weihe eines altkatholischen Bischofs seitens der Obrigkeit verweigert.

Am 24. September 1889 unterzeichneten die Bischöfe der altkatholischen Kirchen in den Nieder- landen und Deutschlands, sowie der christkatholischen Kirche der Schweiz die Utrechter Erklärung, womit sich diese Kirchen zur Utrechter Union zusammenschlossen. Auch der Bistumsverweser der österreichischen altkatholischen Kirche schloss sich dieser Union an. Vorsitzender der Internationalen altkatholischen Bischofskonferenz ist der jeweils amtierende Erzbischof von Utrecht.

Bis zum Jahre 1925 wurde das österreichische Bistum von Deutschland her betreut, bzw. nahm ein Bistumsverweser (Amandus Czech, 1855- 1922) die bischöflichen Agenden wahr.

Der erste Bischof der Altkatholischen Kirche Österreich, Adalbert Schindelar (1856-1926), konnte erst 1925 gewählt und geweiht werden. Ihm folgte Robert Tüchler (1874-1952) im Bischofsamt.

Der ökumenische Dialog war den altkatholischen Kirchen seit Anbeginn ihres Bestehens ein Grund- anliegen, welches auf das Wirken Ignaz von Döllingers zurückreicht. Theologische Gespräche und Verhandlungen führten so zur Aufnahme voller Kirchengemeinschaft mit der Anglikanischen Kirche? Bonner Erklärung, 1931). Eine altkatholisch-orthodoxe Theologenkommission konnte

grundsätzliche Übereinstimmung in Glaubensfragen feststellen. Altkatholische Kirchen und evangelische Kirchen stellten wechselseitig ihre Gastfreundschaft beim Abendmahl fest. Grundsätzlich sind alle getauften Christen zum Empfang des Abendmahls in der altkatholischen Kirche stets eingeladen, da nicht kirchliche Vertreter, sondern

Jesus selbst zur Mahlgemeinschaft einlädt. Ebenso sieht es die Altkatholische Kirche als ihre

seelsorgliche Aufgabe an, jeden Getauften auf seinem letzten Weg zu begleiten, ohne Ansehens eines Kirchenaustrittes.

Aus den ursprünglich zwei altkatholischen Gemeinden auf heute österreichischem Boden entstanden weitere Tochtergemeinden in Wien und den Bundesländern. Heute bestehen 11 Kirchengemeinden in Österreich, mit Gottesdienststationen in der Diaspora.

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